Zwar haben wir in Vietnam nie eine größere Schlacht verloren, doch die überwiegende Mehrheit der Gefechte fand nicht in diesem Ausmaß statt. Wir haben jedoch unzählige Scharmützel verloren.
Robert Graham, Zugführer der 4. US-Division
In den Darstellungen des Vietnamkriegs wurde die amerikanische Perspektive bisher überwiegend in den Vordergrund gestellt.
Nathalie Huynh Chau Nguyen, Historikerin
Übersicht
Combat Commander: Vietnam ist die bislang größte und ambitionierteste Erweiterung bzw. Weiterentwicklung der Combat-Commander-Reihe von GMT Games. Das Spiel verlagert das bekannte System von Chad Jensen in den Vietnamkrieg und erweitert es dabei massiv um neue Fraktionen, Kampagnenstrukturen und Mechaniken.
Anders als die bisherigen WWII-Module ist Vietnam kein reines „mehr vom Gleichen“, sondern ein regelrechter Systemsprung: asymmetrische Konflikte, Guerillakrieg, Luftunterstützung und ein deutlich breiterer operativer Rahmen prägen das Spielgefühl. Kurz gesagt: Combat Commander trifft auf Dschungel, Hubschrauber und politische Realitätsschrauben.
Thema:Das vielgelobte, kartenbasierte Spielprinzip von „Combat Commander“ wird nun auf den Vietnamkrieg übertragen.
Spieler: 2 Spieler
Spielzeit: 60 -0180
Designer: Kai Jensen
Künstler: Lee Brimmicombe-Wood, Chad Jensen, Rodger B. MacGowan, Leland Myrick, Mark Simonitch
Verlag: GMT Games
Spielmechaniken im Überblick
Die Grundstruktur bleibt unverkennbar Combat Commander:
- Karten bestimmen Aktionen
- keine festen Rundenabläufe
- flexible Aktivierung von Einheiten
- Feuergefechte, Nahkampf, Bewegung
- Ereignisse als ständige Störfaktoren
Aber Vietnam dreht an mehreren Schrauben gleichzeitig.
1. Der Krieg wird asymmetrisch
Während klassische CC-Titel relativ symmetrisch bleiben, kämpfst du hier oft mit völlig unterschiedlichen Spielphilosophien:
- reguläre Truppen mit Feuerüberlegenheit
- Guerillas mit Hit-&-Run-Taktiken
- verdeckte Einheiten und Hinterhalte
2. Neue Operationsmechaniken
Das Spiel ergänzt das System um eine ganze Werkzeugkiste neuer Optionen:
- Luftunterstützung und Feuerunterstützung
- Patrouillen- und Suchbewegungen
- Rückzugs- und Kontaktabbruchmechaniken
- Zivilbevölkerung und politisch „heikle“ Situationen
- komplexere Ziel- und Missionsstrukturen
3. Kampagnenmodus
Neu ist ein stärker ausgeprägtes Kampagnensystem:
- mehrere zusammenhängende Einsätze
- Meta-Entscheidungen zwischen den Szenarien
- dynamische Entwicklung der Kräfte
Das Ergebnis ist ein deutlich „operativeres“ Spielgefühl als in Europe oder Pacific. Es geht weniger um einzelne Gefechte, mehr um den gesamten Einsatzraum.
- Neue mechanische Änderungen, darunter „Break Contact“, „Fire Support“, „Objectives“, „Patrol Posture“, „Fate Deck Shifts“ und mehr, um dem neuen Konflikt gerecht zu werden
- Neue Befehle (z. B. „Withdraw“), Aktionen (z. B. „Anti-tank Weapon“) und Ereignisse (z. B. „Ghost Soldiers“), die dem Vietnamkrieg angemessen sind
- Sechs neue Fraktionen (jede mit einem Schicksalsdeck, Spielsteinen und einer Schlachtordnung)
- Neue Waffen und weitere Spielsteine, darunter rückstoßfreie Gewehre, Zivilisten, Fallen, Berater und vieles mehr
- 24 Karten, verteilt auf sechs Regionen (I.–IV. Korps in Südvietnam, Laos und Kambodscha), basierend auf historischen Karten im Maßstab 1:50.000, Archivfotos und Beschreibungen von Gefechten
- Ein neues RSG-System zur Erstellung von Szenarien für beliebige Fraktionen, Zeiträume und Regionen in Indochina zwischen 1961 und 1975
- 24 Szenarien, die die Vielfalt der im Basisspiel enthaltenen Fraktionen, Regionen und Zeiträume hervorheben
- Ein neuer Kampagnenmodus, spielbar als eines von 8 Kampagnenszenarien oder unter Verwendung des Zufalls-Kampagnengenerators (RCG)
Spielablauf
Der Kern von Combat Commander: besteht aus einem dynamischen Aktivierungssystem durch Handkarten.
Jeder Spieler besitzt eine Kartenhand, mit der verschiedene Befehle ausgeführt werden können:
- Bewegung
- Feuerangriffe
- Nahkampf
- Artillerieeinsätze
- Rauchgranaten
- Rekrutierungen
- Spezialaktionen
Anstatt abwechselnd komplette Spielzüge durchzuführen, reagieren die Spieler ständig aufeinander. Wer eine Karte ausspielt, löst eine Aktion aus, worauf der Gegner sofort reagieren kann. Dadurch entsteht ein flüssiger Spielfluss mit hoher Interaktion.
Besonders spannend sind die sogenannten Ereignisse. Diese können jederzeit ausgelöst werden und sorgen für unvorhersehbare Situationen:
- Scharfschützen greifen ein
- Verstärkungen erscheinen
- Verwundete Soldaten werden geborgen
- Kommunikationsprobleme treten auf
- Helden entstehen mitten im Gefecht
Das Kampfsystem selbst funktioniert ohne klassische Kampftabellen. Stattdessen werden Karten gezogen und Würfelwürfe direkt mit den Einheitenwerten verglichen. Dadurch bleiben Gefechte schnell und übersichtlich.
Die Moral der Truppen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Selbst gut positionierte Soldaten können unter schwerem Beschuss zusammenbrechen oder sich zurückziehen. Wer seine Einheiten zu aggressiv einsetzt, erlebt schnell, dass heldenhafter Angriff und panische Flucht manchmal nur einen schlechten Würfelwurf voneinander entfernt liegen.
Szenarien besitzen unterschiedliche Siegbedingungen und sorgen für hohe Wiederspielbarkeit. Keine Partie verläuft wie die vorherige, da das Kartendeck ständig neue Situationen erzeugt.
Inhalt
Die Box ist – typisch für moderne GMT-Monster – gut gefüllt:
- 24 Szenario-Karten (doppelseitig)
- 8 Kampagnenkarten
- 410+ Karten (mehrere Decktypen inkl. Fate, Fire Support usw.)
- 6,5 Countersheets
- Kampagnen-Eventkarten
- Zielkarten für Szenarien und Kampagnen
- 24-seitiges Regelheft
- 52-seitiges Szenarioheft
- 24-seitiges RSG-Handbuch (Random Scenario Generator)
- Track-Display und umfangreiche Spielerhilfen
Dazu kommen sechs spielbare Fraktionen, darunter u. a.:
weitere regionale/verbündete Kräfte
- US-Streitkräfte
- NVA
- Viet Cong (NLF)
- ARVN
- Special Forces
Erweiterungen
Combat Commander Cold War Universum
Combat Commander: Europe ist ein kartengesteuertes Brettspiel, das sich mit taktischen Infanteriekämpfen auf dem europäischen Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs befasst.
Mehr sehenCombat Commander WWII Universum
Combat Commander: Europe/Med. 20th Anniversary Edition enthält alle Komponenten der Originalausgaben von CC:E und CC:M sowie zusätzliche Spielsteine für kleinere Staaten und aktualisierte Szenarioseiten, auf denen diese kleineren Staaten vorkommen.
Mehr sehenCombat Commander: Resistance! erweitert CC:Europe und CC: Mediterranean um Partisanen und deren Kampf hinter den Frontlinien.
Mehr sehenCombat Commander: Pacific ist ein eigenständiges Spiel aus der kartengesteuerten „Combat Commander“-Reihe. CC:P basiert zwar auf den Grundregeln von „Combat Commander: Europe“, enthält jedoch zahlreiche Regelanpassungen und Ergänzungen, um die taktische Kriegsführung, wie sie von den Beteiligten im Pazifik und im Indischen Ozean sowie in deren Umgebung erlebt wurde, genauer darzustellen.
Mehr sehenCombat Commander: Europe ist ein kartengesteuertes Brettspiel, das sich mit taktischen Infanteriekämpfen auf dem europäischen Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs befasst.
Mehr sehenCombat Commander: Europe ist ein kartengesteuertes Brettspiel, das sich mit taktischen Infanteriekämpfen auf dem europäischen Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs befasst.
Mehr sehenSCORE OUT OF 10
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VERDICT & FINAL NOTE
Combat Commander: Vietnam ist kein sanftes Update, sondern eher ein „großer Bruder mit deutlich mehr Gepäck“. Wer die Serie kennt, bekommt hier eine extreme Erweiterung des Systems – sowohl inhaltlich als auch mechanisch.
Für Neueinsteiger ist das Spiel eher kein guter Startpunkt. Für erfahrene Combat-Commander-Spieler hingegen ist es ein faszinierender, manchmal fast überwältigender Blick auf einen völlig anderen Kriegstyp.
Abschließende Bemerkung
Vietnam fühlt sich an wie Combat Commander, das beschlossen hat, nicht mehr nur Taktikspiel zu sein, sondern auch ein bisschen Simulation, ein bisschen Kampagnenmanagement und ein bisschen „Was passiert eigentlich nach dem Gefecht?“.
Das ist beeindruckend – und ehrlich gesagt auch ein bisschen anstrengend. Die zusätzliche Tiefe bringt enorme Atmosphäre, aber auch eine Lernkurve, die sich nicht mehr nur wie ein Hügel anfühlt, sondern eher wie eine kleine Gebirgskette.
Was gut funktioniert:
– enorme thematische Dichte
– stark unterschiedliche Fraktionen
– spannende neue Entscheidungsebenen
– Kampagnengefühl im CC-System
Was weniger elegant ist:
– sehr hohe Komplexität
– viel Verwaltungsaufwand
– deutlich längere Einarbeitung
– weniger „schnell auf den Tisch“-Charakter
Empfehlung
Kurz gesagt: Vietnam ist der Moment, in dem Combat Commander sein Feldhemd gegen Tarnanzug, Karte und Funkgerät tauscht – und plötzlich merkt man, dass das hier kein kurzer Einsatz wird.
PROS
- Extrem thematische Umsetzung des Vietnamkriegs
- Sehr viele neue Fraktionen und Spielstile
- Kampagnenmodus erweitert das System deutlich
- Hoher Wiederspielwert durch Vielfalt und RSG
- Konsequente Weiterentwicklung des Combat-Commander-Systems
- Sehr immersive Dschungelkriegs-Atmosphäre
CONS
- Sehr hohe Komplexität und Einstiegshürde
- Stark erhöhter Verwaltungsaufwand
- Deutlich längere Spiel- und Vorbereitungszeit
- Für reine Taktikspieler fast schon „zu viel System“
- Nichts für gelegentliche CC-Runden





