Burgen erobern mit Leitern, Katapulten und Rammböcken
Übersicht
Mit Siege veröffentlichte Alan Paull 1983 ein Spiel, das die erfolgreiche Cry Havoc-Reihe um ein Thema erweitert, das im Mittelalter nahezu unvermeidlich war: die Belagerung von Burgen und Festungen. Das Spiel kann sowohl eigenständig gespielt als auch vollständig mit Cry Havoc kombiniert werden. Dadurch erweitert es das bekannte Mann-gegen-Mann-Kampfsystem um zahlreiche Regeln für Belagerungsoperationen.
Während sich Cry Havoc hauptsächlich auf offene Gefechte konzentriert, stehen in Siege mächtige Burgmauern, Zugbrücken, Belagerungstürme, Leitern und Rammböcke im Mittelpunkt. Der Angreifer muss seine Kräfte geschickt koordinieren, während der Verteidiger jede Schwachstelle der Festung ausnutzt.
Thema und Setting

Spielmechaniken im Überblick
Das bekannte Cry-Havoc-System bleibt erhalten, wird jedoch um zahlreiche neue Mechaniken erweitert.
Neu eingeführt werden unter anderem:
- Sturmleitern
- Rammböcke
- Belagerungstürme
- Katapulte
- Feuerangriffe
- Breschen in Burgmauern
- Klettern auf Wehrgänge
- Verteidigung von Torhäusern
Jede Partie beginnt mit der Vorbereitung der Belagerung. Der Angreifer muss entscheiden, ob er die Mauern direkt erstürmt, das Haupttor angreift oder versucht, mit Belagerungsmaschinen eine Bresche zu schlagen.
Der Verteidiger verfügt dagegen über zahlreiche Möglichkeiten, den Angriff abzuwehren. Bogenschützen auf den Wehrgängen beschießen anrückende Soldaten, Steine und brennendes Material können auf Angreifer herabgeworfen werden, während Reserven gezielt an bedrohte Abschnitte der Mauer verlegt werden.
Besonders spannend wird es, sobald die ersten Leitern angelegt werden. Plötzlich entstehen mehrere kleine Nahkämpfe gleichzeitig – auf Wehrgängen, in Türmen und an Toren. Das sorgt für intensive taktische Entscheidungen, bei denen jede Einheit zählt.
Die fünf enthaltenen Szenarien führen Schritt für Schritt in die neuen Regeln ein. Dadurch wächst der Regelumfang angenehm mit jeder Partie. Gleichzeitig lassen sich sämtliche Belagerungsregeln problemlos mit Cry Havoc kombinieren, sodass eigene Szenarien nahezu unbegrenzt möglich sind.
Und seien wir ehrlich: Wer schon einmal versucht hat, eine Leiter unter einem Pfeilhagel an eine Burgmauer zu tragen, weiß plötzlich, warum Belagerungen früher Monate dauern konnten.

Inhalt
Für ein Spiel der frühen 1980er-Jahre bietet Siege eine beeindruckende Ausstattung.
Die Box enthält unter anderem:
- zwei große Hexkarten (Burg und Feldlager)
- rund 200 Einheitenmarker
- Regelheft
- historisches Begleitheft
- fünf Szenarien
- zahlreiche neue Marker für Belagerungsgerät
Besonders hervorzuheben sind die beiden Spielpläne. Die detailreiche Burganlage mit Türmen, Wehrgängen und Torhaus gehört bis heute zu den schönsten Karten der gesamten Cry-Havoc-Reihe und eröffnet zahllose taktische Möglichkeiten.tät auf stabilem, lackiertem Karton produziert und entsprechen dem Standard der übrigen Historic’One-Produkte.


Hauptspiel
Erweiterungen
Mit Croisades schuf Duccio Vitale im Jahr 1987 weit mehr als nur einen weiteren Ableger der erfolgreichen Cry Havoc-Serie. Das Spiel führt die Spieler in die Zeit der Kreuzzüge zwischen 1096 und 1291
Mehr sehenWährend sich Cry Havoc hauptsächlich auf offene Gefechte konzentriert, stehen in Siege mächtige Burgmauern, Zugbrücken, Belagerungstürme, Leitern und Rammböcke im Mittelpunkt. Der Angreifer muss seine Kräfte geschickt koordinieren, während der Verteidiger jede Schwachstelle der Festung ausnutzt.
Mehr sehenSCORE OUT OF 10
10
VERDICT & FINAL NOTE
Fazit
Siege gehört bis heute zu den gelungensten Erweiterungen der Cry-Havoc-Reihe. Statt einfach nur neue Einheiten hinzuzufügen, erweitert Alan Paull das Grundspiel um eine völlig neue Art von Gefechten.
Die Belagerungsregeln wirken erstaunlich durchdacht und vermitteln das Gefühl mittelalterlicher Festungskämpfe sehr überzeugend. Gleichzeitig bleiben sie vollständig mit dem Grundsystem kompatibel.
Natürlich merkt man dem Spiel sein Alter an. Einige Regeln benötigen etwas Einarbeitung und das Nachschlagen gehört gelegentlich dazu. Wer sich darauf einlässt, erhält jedoch ein außergewöhnlich atmosphärisches Mittelalter-Wargame.
Abschließende Bemerkung
Für mich ist Siege eine der wichtigsten Erweiterungen der gesamten Cry-Havoc-Reihe. Während viele Erweiterungen lediglich neue Karten oder Einheiten bieten, verändert Siege den Charakter des Spiels grundlegend.
Die Angriffe auf Wehrgänge, das Ringen um das Burgtor und die dramatischen Kämpfe auf den Mauern erzeugen eine Spannung, die offene Feldschlachten nur selten erreichen. Besonders gefällt mir, dass der Verteidiger trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit jederzeit eine realistische Chance besitzt – ganz wie in historischen Belagerungen.
Wer Cry Havoc besitzt, sollte Siege unbedingt ausprobieren. Für Liebhaber mittelalterlicher Wargames zählt es auch mehr als vier Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung zu den besten Belagerungsspielen überhaupt.
PROS
- hervorragende Erweiterung des Cry-Havoc-Systems
- spannende Belagerungsmechaniken
- detailreiche Burgkarte
- zahlreiche neue taktische Möglichkeiten
- vollständig mit Cry Havoc kompatibel
- hoher Wiederspielwert durch eigene Szenarien
CONS
- Regelwerk umfangreicher als das Grundspiel
- heute nur noch schwer erhältlich
- Material entspricht dem Standard der frühen 1980er-Jahre
- entfaltet sein volles Potenzial vor allem zusammen mit Cry Havoc

