Übersicht
In „Manila: The Savage Streets 1945“ übernimmst du das Kommando über die angreifende und weitaus mobilere amerikanische Seite, während das Spielsystem die Verteidigung der weitgehend statischen japanischen Seite übernimmt. Keine zwei Partien sind jemals gleich. Jeder Zug stellt dich vor neue und einzigartige Herausforderungen in Form von Zufallsereignissen, ungewissen Nachschublieferungen und unbekannten japanischen Truppen in den Gebieten sowie Verteidigungsstrategien.
Thema: Das Schicksal der Stadt Manila, der „Perle des Orients“, liegt nun in deinen Händen.
Spieler: 1 Spieler
Spielzeit: 60 – 75 Minuten
Designer: Michael Rinella
Künstler: Charles Kibler
Verlag: Revolution Games

Spielmechaniken im Überblick
Nach Jahren der Dschungelkämpfe und Inseleroberungen war die Schlacht um Manila der erste Stadtkampf, mit dem die amerikanischen Streitkräfte im Pazifikkrieg konfrontiert wurden. Der Feldzug des amerikanischen XIV. Korps zur Niederlage von Iwabuchis Truppen und zur Einnahme der Stadt wurde in der Vergangenheit bereits in einigen Zwei-Spieler-Spielen thematisiert, wird hier jedoch in einem spannenden neuen Einzelspieler-Format präsentiert – dem zweiten Teil einer Reihe von Einzelspieler-Spielen mit beweglichen Spielfeldern des Verlags Take Aim Designs.
Das Hauptspiel ist eine neun Runden umfassende Kampagne, die den amerikanischen Angriff auf die Stadt im Februar und März 1945 abdeckt. Je weiter die amerikanischen Streitkräfte vorrücken – von den weniger entwickelten Außenbezirken der Stadt bis hin zum städtischen Geschäftsviertel und den festungsartigen Regierungsgebäuden –, desto stärker wird der japanische Widerstand. Die Zahl der amerikanischen Einheiten, die bis zur Erschöpfung kämpfen und damit praktisch kampfunfähig sind, steigt. Die Entschlossenheit der Amerikaner, einen schnellen Sieg für den Oberbefehlshaber der Alliierten, General Douglas MacArthur, zu erringen – im Spiel als „Moral“ dargestellt –, schwindet allmählich. Der Spieler gewinnt, wenn er die historischen amerikanischen Eroberungen erreicht oder übertrifft, und verliert, wenn ihm das nicht gelingt oder wenn die Moral zu stark sinkt.
Mit einer Vorbereitungszeit von weniger als 15 Minuten, geringer Spielfigurendichte, unendlicher Variabilität und schneller Spielzeit spricht „Manila: The Savage Streets, 1945“ Spieler aller Erfahrungsstufen an, vom Anfänger bis zum Hardcore-Gamer.

Kernmechaniken
Das System zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
- Verdeckte Verteidiger: Die Stärke und Art der feindlichen Einheiten werden erst aufgedeckt, wenn ein Gebiet angegriffen wird, was für hohe Spannung sorgt.
- Ressourcenmanagement: Der Spieler muss begrenzte Nachschubpunkte (Supply) für Artillerieunterstützung, Luftangriffe oder Verstärkungen klug einteilen.
- Moralsystem: Misserfolge und Zeitdruck zehren an der Moral; sinkt diese zu weit, wird das Vorankommen erheblich erschwert.
- Geringe Komplexität: Die Spiele sind schnell aufgebaut (ca. 15 Minuten) und haben eine überschaubare Anzahl an Markern (Counter), bieten aber dennoch eine große taktische Tiefe und hohen Wiederspielwe
Spielablauf
Eine Partie verläuft in mehreren strukturierten Phasen, die typisch für klassische Hex-&-Counter-Wargames sind – allerdings mit einem starken Fokus auf Häuserkampf.
1. Initiative und Aktivierung
Zu Beginn jeder Runde wird festgelegt, welche Seite zuerst agiert. Die Spieler aktivieren anschließend ihre Einheiten, bewegen sie durch die Stadt oder bringen sie in Feuerposition.
Gerade in dicht bebauten Bereichen wird Bewegung schnell zur heiklen Angelegenheit. Ein Häuserblock weiter kann bereits ein feindlicher Trupp warten – mit geladenem MG.
2. Bewegung im urbanen Gelände
Bewegung kostet je nach Gelände unterschiedliche Punkte. Gebäude, Barrikaden und zerstörte Straßenzüge verlangsamen den Vormarsch erheblich.
Das sorgt dafür, dass:
- Offene Straßen gefährlich werden
- Gebäude taktische Schlüsselpositionen darstellen
- Flankenmanöver extrem wertvoll sind
Oder anders gesagt: Wer einfach geradeaus marschiert, wird vermutlich sehr schnell sehr viele Counter vom Spielplan entfernen müssen.
3. Kampfphase
Kommt es zur Begegnung, wird geschossen – oder im schlimmsten Fall im Nahkampf gerungen.
Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle:
- Feuerkraft der Einheiten
- Verteidigungsbonus von Gebäuden
- Entfernung und Sichtlinie
- Moral und Status der Truppen
Besonders spannend ist der Häuserkampf: Ein Gebäude zu stürmen kann extrem verlustreich sein. Gleichzeitig ist es oft der einzige Weg, strategische Positionen zu sichern.
4. Szenarioziele
Jedes Szenario legt fest, welche Ziele erreicht werden müssen – etwa:
- Kontrolle bestimmter Stadtsektoren
- Eliminierung gegnerischer Kräfte
- Durchbruch zu wichtigen Positionen
Dadurch unterscheiden sich die Partien stark voneinander und bieten eine gute Wiederspielbarkeit.

Geschichtlicher Hintergrund
Nur wenige Schlachten am Ende des Zweiten Weltkriegs übertrafen die Zerstörung und Brutalität der Kämpfe in der Stadt Manila. MacArthur hatte gehofft, die multikulturelle Stadt und ihre 800.000 Einwohner vor den Schrecken des Krieges zu bewahren, war jedoch dazu nicht in der Lage.
- Die Schlacht um Manila war eine der brutalsten Episoden des Pazifikkriegs. Sie markierte den Übergang von Dschungelkämpfen zu erbittertem urbanem Häuserkampf.
- Kernfakten der Schlacht
- Zeitraum: 3. Februar bis 3. März 1945 (genau ein Monat).
- Gegner: US-Streitkräfte (unterstützt von philippinischen Guerillas) gegen das Kaiserreich Japan.
- Strategische Bedeutung: Manila war der wichtigste Hafen und das Logistikzentrum für die Rückeroberung der Philippinen durch General Douglas MacArthur.
- Der Verlauf: „Stalingrad des Pazifiks“
- Obwohl die japanische Armee (unter General Yamashita) den Rückzug plante, weigerten sich Marineeinheiten (unter Admiral Iwabuchi), die Stadt aufzugeben.
- Häuserkampf: Die Kämpfe konzentrierten sich auf massive Regierungsgebäude und die historische Festungsstadt Intramuros.
- Zerstörung: Da die Japaner sich in Betongebäuden verschanzten, setzten die USA massiv Artillerie ein. Manila wurde nach Warschau zur am stärksten zerstörten alliierten Hauptstadt des Zweiten Weltkriegs.
- Die menschlichen Kosten
- Die Schlacht war für die Zivilbevölkerung katastrophal:
- Massaker von Manila: Japanische Truppen begingen in den letzten Wochen systematische Gräueltaten (Massenexekutionen, Vergewaltigungen) an der Bevölkerung.
- Opfer: Über 100.000 philippinische Zivilisten starben. Auf militärischer Seite fielen etwa 16.000 Japaner und rund 1.000 US-Soldaten.
Bestandteile
In der Schachtel findet sich alles, was das Wargamer-Herz höher schlagen lässt – und nichts, was es unnötig verwirrt:
- 1 großformatige Spielkarte (Hexfeld-basiert, funktional statt hübsch)
- Mehrere hundert Counter für deutsche und sowjetische Einheiten
- Spielhilfen & Tabellen, die man schnell lieben lernt (oder zumindest respektiert)
- Regelbuch, solide strukturiert und erfreulich klar
- Szenarien für unterschiedliche Zeiträume und Spieltiefen
Optisch ist das Spiel eher Arbeitstier als Vorzeigemodell. Aber seien wir ehrlich: Wer Stalingrad spielt, erwartet keine Pastellfarben, sondern Staub, Blut und Nachschubprobleme.uren sucht, ist hier falsch – wer ein funktionales Kriegsspiel will, fühlt sich sofort zu Hause.
Inhalt
- Eine 17„ x 22“ große, aufgezogenen Karte
- Ein Bogen mit 5/8″ großen, gestanzten Spielmarken
- Eine Spielhilfe-Karte
- Ein Regelheft
- Acht sechsseitige Würfel (4 rote und 4 schwarze)
Erweiterungen
–
Solitaire Area Movement Series
Die Solitaire Area Movement Series ist eine Reihe von Wargames von Revolution Games (in Zusammenarbeit mit Take Aim Designs), die speziell für das Solospiel konzipiert wurden. Das System nutzt Gebietsfelder (Areas) statt der klassischen Sechseckfelder (Hexes) und stellt den Spieler vor die Herausforderung, als Angreifer gegen eine statische, vom Spiel gesteuerte Verteidigung vorzurücken.
Berlin: Fall des Reichs, 1945 ist das dritte Spiel der „Solitaire Area Movement“-Reiheund versetzt dich mitten in die letzten, chaotischen Tage des Zweiten Weltkriegs. Genauer gesagt: April bis Mai 1945, als die Rote Armee Berlin einkesselt und das Deutsche Reich in seinen letzten Zügen liegt.
Mehr sehenSimuliert den verlustreichen Häuserkampf der US-Streitkräfte zur Rückeroberung der philippinischen Hauptstadt von den japanischen Besatzern.
Mehr sehenDer Spieler befehligt die deutsche 6. Armee bei ihrem Versuch, das Stadtgebiet von Stalingrad zu erobern und die Wolga zu erreichen.
Mehr sehenSCORE OUT OF 10
8
VERDICT & FINAL NOTE
Manila: The Savage Streets, 1945 ist ein klassisches taktisches Wargame mit starkem Fokus auf urbane Gefechte. Das Spiel zwingt die Spieler zu vorsichtigem Vorgehen, guter Planung und einem gesunden Respekt vor jedem einzelnen Häuserblock.
Besonders gelungen ist die Darstellung des Stadtkampfes. Gebäude bieten Schutz, werden aber gleichzeitig zu tödlichen Fallen. Dadurch entsteht ein sehr spannendes taktisches Puzzle.
Abschließende Bemerkung
Für Fans von taktischen Zweiter-Weltkrieg-Wargames liefert das Spiel genau das, was man erwartet – intensive Straßenschlachten und schwierige Entscheidungen auf engem Raum.
Besonders gefällt die Atmosphäre der zerstörten Stadt. Jeder Häuserblock fühlt sich wie ein kleines taktisches Problem an. Gleichzeitig bleibt das Regelwerk überschaubar genug, um nicht im Tabellen-Dschungel zu versinken.
Natürlich verlangt das Spiel eine gewisse Geduld und Liebe zum Detail. Aber genau das ist für viele Wargamer ja der halbe Spaß. Und seien wir ehrlich: Wenn man schon virtuelle Häuserkämpfe austrägt, dann bitte richtig.
Empfehlung
Für Solo-Wargamer und historisch Interessierte ein echtes Highlight. Für Gelegenheitsspieler eher ein Betonklotz zu viel.
PROS
- Sehr thematisch und historisch dicht
- Klare Regeln mit hoher Entscheidungstiefe
- Gute Spieldauer für ein Wargame
- Hoher Wiederspielreiz durch Karteneffekte
CONS
- Rein solitär – nichts für Mehrspieler
- Optik eher funktional als atmosphärisch
- Etwas wenig , besonders für Wargame-Erfahrende
- Kaum Fehlertoleranz bei falschen Entscheidungen


