Übersicht
Castle Itter – The Strangest Battle in WW2 widmet sich einem der bizarrsten Kapitel des Zweiten Weltkriegs: Amerikanische Soldaten, deutsche Wehrmachtssoldaten und bewaffnete französische VIP-Gefangene verteidigen gemeinsam eine österreichische Burg gegen fanatische SS-Einheiten. Klingt nach Hollywood? Ist aber historisch belegt – und genau dieses absurde Setting bildet die Grundlage für dieses solitäre, kartengetriebene Kriegsspiel von DVG Games.
Das Spiel richtet sich klar an Solo-Spieler, die narrative, historische Konflikte mögen und kein Problem damit haben, wenn das Spiel sie gelegentlich gnadenlos daran erinnert, dass Krieg kein fairer Zeitvertreib ist.
Thema: Können deine US-Soldaten – zusammen mit ihren Verbündeten von der Wehrmacht – die gefürchtete SS aufhalten?
Spieler: 1 Spieler
Spielzeit: 60 – 75 Minuten
Designer: David Thompson
Künstler: –
Verlag: DVG Games

Spielmechaniken im Überblick
Castle Itter lebt nicht von komplizierten Regeln, sondern von clever verzahnten Mechaniken, die permanent Druck aufbauen. Das Spiel fühlt sich weniger nach trockenem Rechnen an, sondern mehr nach „Wie halte ich dieses Chaos noch eine Runde zusammen?“.
Kartengetriebene Aktionen
Das Herz des Spiels ist das Kartensystem. Karten steuern sowohl die Aktionen der Verteidiger als auch das Verhalten der SS. Jede gespielte Karte ist eine Entscheidung – und meist ein schmerzhafter Kompromiss. Will man jetzt handeln oder lieber für später vorsorgen? Spoiler: Später kommt schneller, als man denkt.
KI-gesteuerter Gegner
Die SS wird komplett über Karten und Tabellen gesteuert. Das funktioniert erstaunlich gut und sorgt für unvorhersehbare, aber thematisch stimmige Angriffe. Mal zögerlich, mal brutal effizient – genau so, wie man es sich von einem fanatischen Angreifer kurz vor Kriegsende vorstellt.
Positions- und Gebietskontrolle
Die Burg Itter ist kein großer Spielplan, aber jeder Bereich zählt. Wer wo steht, entscheidet darüber, ob Angriffe abgewehrt, Verluste minimiert oder moralische Zusammenbrüche verhindert werden. Ein falscher Einsatz zur falschen Zeit – und die Verteidigung bröckelt schneller als die Burgmauern.
Moral- und Stressmechanik
Nicht alle Einheiten reagieren gleich auf Druck. Besonders die französischen Gefangenen bringen eine zusätzliche Portion Chaos ins Spiel. Moral ist kein netter Bonus, sondern überlebenswichtig. Sinkt sie zu stark, wird aus kontrolliertem Widerstand sehr schnell panische Improvisation.
Ereignisse & historischer Zufall
Ereigniskarten sorgen dafür, dass sich keine Partie wie die andere spielt. Historische Unsicherheit ist hier kein Nebeneffekt, sondern Kernmechanik. Planung ist wichtig – aber Flexibilität ist wichtiger. Situation? Spoiler: Es wird immer schlimmer.

Spielablauf
Der Spielablauf ist in Phasen unterteilt und folgt einem klaren Rhythmus aus Hoffnung, Improvisation und Panik:
Das Spiel wird rein solo gespielt und folgt einem klaren, aber spannungsgeladenen Ablauf:
- Der Spieler kontrolliert die Verteidiger von Burg Itter
- Die SS wird über ein Kartensystem gesteuert
- Jede Runde bringt neue Bedrohungen, Ereignisse und taktische Entscheidungen


Zentrale Mechaniken sind:
- Kartenmanagement: Jede Entscheidung kostet Ressourcen – falsches Timing wird sofort bestraft
- Positionierung: Wer steht wo auf der Burg? Und wer hält die Nerven, wenn es brennt?
- Moral & Chaos: Besonders die französischen Gefangenen sind… sagen wir mal „herausfordernd“ zu führen
Das Spiel erzeugt konstant Druck. Man hat selten das Gefühl, alles im Griff zu haben – eher das Gefühl, mit letzter Munition einen historischen Irrsinn am Laufen zu halten. Genau das macht den Reiz aus.
Geschichtlicher Hintergrund

Das Schloss Itter liegt in Österreich, ungefähr zwei Stunden von Dachau entfernt. 1943 wurde es von Nazi-Deutschland beschlagnahmt und als Gefängnis für hochrangige französische Geiseln genutzt.
Wie es dazu kam, dass die Gefangenen die Festung übernahmen, nun ja … wir wissen nur, was so alles passiert ist, und wir wissen, dass die SS sie am 2. Mai 1945 einem Offizier überließ, der mit den Gefangenen mitfühlte, was dazu führte, dass diese die Kontrolle übernahmen. Sie wussten, dass sie Geiseln waren und dass die Niederlage kurz bevorstand. Dass SS-Truppen auf dem Land unterwegs waren und Männer als Deserteure kurzerhand hinrichteten. Rational betrachtet bedeutete das, dass sie in großer Gefahr waren, also schickten sie Abgesandte los, um Kontakt zu allen aufzunehmen, die ihnen helfen könnten, sich zu verteidigen.

Ich sage „jemand”, weil diejenigen, die dem Ruf folgten, die 12. Panzerdivision des USS XXI Corps unter dem Kommando von Captain John Lee und eine stark dezimierte Wehrmachtseinheit unter dem Kommando von Major Josef Gangl waren, die sich mit dem österreichischen Widerstand zusammengetan hatte, um eine nahe gelegene Stadt vor Repressalien der SS zu schützen.
Die Verteidiger rannten zum Schloss und kamen endlich an: Wegen kleinerer Kämpfe und logistischer Probleme waren sie unterwegs immer weniger geworden, sodass nur etwa 20 rechtzeitig zum Showdown durch die Tore kamen. Also, 20 und Besotten Jenny, der Panzer, der vor dem Haupteingang stand.
Und diese bunte kleine Truppe, verstärkt durch die 14 französischen Geiseln und die letzten SS-Leute der Burg, die sich auf die Seite der Verteidiger gestellt hatten, hielt gegen etwa 150 bis 200 SS-Leute stand, bis am Nachmittag des nächsten Tages weitere Verstärkung eintraf. Mit nur einem Opfer – Major Gangl selbst. Es hätte ein Auszug für die Geschichtsbücher sein sollen.

Foto: ERIC SCHWAB/ AFP
Von den angreifenden SS-Leuten wurden etwa 100 gefangen genommen. Damit gab es eine marodierende Bande weniger, die das Land unsicher machte, was sie zu dieser Zeit taten, da Hitler einige Tage zuvor Selbstmord begangen hatte und die Kapitulation unmittelbar bevorstand.
Vielleicht wissen deshalb so wenige über die Ereignisse in Schloss Itter Bescheid. Es war eine Schlacht mit weniger als 200 Soldaten. Sie hat den Krieg nicht gewonnen, sondern war nur eine Fußnote am Ende. Aber jetzt, wo du davon gehört hast, klingt das nicht wie eine enorme, traurige Ungerechtigkeit?
Aus der Lektüre über Itter können wir viele Botschaften lernen: Dass man, wenn sogar ein Geisel um Hilfe rufen kann, niemals so hilflos ist, wie man denkt; dass man, wenn 36 einen Tag lang gegen 200 standhalten können, auch niemals so machtlos ist, wie man denkt. Dass, wenn dein Feind auf deinen Ruf antworten kann, die wahre Definition von Feindschaft nicht das ist, was wir denken. Dass die Menschen poetische Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit sehen werden.

Foto: Robert D. Lee
Bestandteile
DVG-typisch kommt Castle Itter mit funktionalem, zweckmäßigen Material daher – kein Bling-Bling, aber alles da, wo es hingehört:
- Spielplan mit der Burg Itter und den umliegenden Bereichen
- Karten für:
- Ereignisse
- Einheiten
- Aktionen
- Counter für:
- US-Soldaten
- Wehrmacht
- SS-Einheiten
- Französische Gefangene
- Marker für Moral, Schaden und Spezialeffekte
- Regelheft inklusive historischem Hintergrund
Optisch ist das Ganze klar auf Spielbarkeit ausgelegt. Wer Deluxe-Miniaturen sucht, ist hier falsch – wer ein funktionales Kriegsspiel will, fühlt sich sofort zu Hause.
Inhalt
Erweiterungen
–
Valiant Defense Universum
Mit der Valiant Defense-Reihe kannst du spannende Geschichten über Mut erleben, in denen kleine Truppen gegen unvorstellbare Widrigkeiten kämpfen. Die Spiele der Reihe konzentrieren sich auf einzelne Verteidiger und sind tief in der Geschichte verwurzelt, bieten aber gleichzeitig ein schnelles Spielerlebnis mit einfachen Regeln.
Castle Itter – The Strangest Battle in WW2 widmet sich einem der bizarrsten Kapitel des Zweiten Weltkriegs: Amerikanische Soldaten, deutsche Wehrmachtssoldaten und bewaffnete französische VIP-Gefangene verteidigen gemeinsam eine österreichische Burg gegen fanatische SS-Einheiten.
Mehr sehenIn Pavlov’s House übernimmst du die Kontrolle über die tapferen Verteidiger eines sowjetischen Stützpunkts in Stalingrad, die fast zwei Monate lang den ständigen deutschen Angriffen standhalten. Du steuerst auch die wichtigsten Anführer der sowjetischen 62. Armee, die die Verteidigung von Pavlov’s House ermöglicht haben.
Mehr sehenValiant Assault Universum
Mit der Valiant Assault-Reihe kannst du spannende Geschichten über Mut erleben, in denen kleine Truppen gegen unvorstellbare Widrigkeiten kämpfen. Die Spiele der Reihe konzentrieren sich auf einzelne Angriff und sind tief in der Geschichte verwurzelt, bieten aber gleichzeitig ein schnelles Spielerlebnis mit einfachen Regeln.
Die Merville-Batterie war in der Normandie, ungefähr 6 Meilen/10 Kilometer östlich von Sword Beach und weniger als 12 Meilen/20 Kilometer nordöstlich von Caen. Sie lag direkt östlich von Ouistreham und nordöstlich von Pegasus Bridge, auf der Ostseite des Flusses Orne. Die Batterie war ein wichtiger Teil des Atlantikwalls.
Mehr sehenSCORE OUT OF 10
8
VERDICT & FINAL NOTE
Castle Itter ist kein klassisches „Ich optimiere mich zum Sieg“-Spiel. Es ist ein narratives Erlebnis, das Geschichte fühlbar macht und den Spieler permanent vor unangenehme Entscheidungen stellt. Wer bereit ist, sich auf diese spezielle Mischung aus Historie, Zufall und taktischem Stress einzulassen, bekommt ein intensives Solo-Spiel mit hohem Wiederspielwert.
Ein Spiel, das man nicht „mal eben“ spielt – sondern bewusst.
Abschließende Bemerkung
Mich hat vor allem das ungewöhnliche historische Setting abgeholt. Diese absurde Allianz wirkt nicht aufgesetzt, sondern entwickelt am Tisch eine ganz eigene Dynamik. Spielerisch ist Castle Itter fordernd, manchmal frustrierend, aber nie unfair. Niederlagen fühlen sich verdient an – Siege dagegen fast schon heroisch.
Kein Spiel für jeden, aber für die richtige Zielgruppe ein echtes Highlight.
Empfehlung
Für Solo-Wargamer und historisch Interessierte ein echtes Highlight. Für Gelegenheitsspieler eher ein Betonklotz zu viel.
PROS
- Einzigartiges, historisch belegtes Szenario
- Sehr atmosphärisches Solo-Erlebnis
- Hohe Spannung durch ständigen Entscheidungsdruck
- Kurze Spieldauer bei hoher Intensität
CONS
- Ausschließlich solo spielbar
- Grafik und Material rein funktional
- Zufall kann gnadenlos sein (Willkommen im Krieg)


