SpaceCorp: Centauri

SpaceCorp: Centauri

Die große Migration von unserem sterbenden Planeten begann gegen Ende des 22. Jahrhunderts. Nationen und Konzerne konkurrierten miteinander und arbeiteten zugleich zusammen, um in nahegelegenen Sternensystemen neue Welten zu finden, die die Menschheit besiedeln konnte. Wie bei den meisten menschlichen Unternehmungen ging auch dieser Exodus mit dem Streben nach Reichtum und Macht einher. Als Durchbrüche es ermöglichten, kleine Nutzlasten schneller als das Licht zu transportieren, machten sich konkurrierende Erkundungsteams auf den Weg zu nahegelegenen Sternen, um Planeten und Monde auf ihre Bewohnbarkeit zu untersuchen. Unterdessen bauten Unternehmen auf der Erde riesige Bevölkerungsschiffe, von denen jedes Tausende von Menschen zu den Sternen transportieren konnte – allerdings aufgrund ihrer Masse nur mit einem Bruchteil der Lichtgeschwindigkeit. Jedes dieser großen Schiffe begab sich auf eine jahrzehntelange Reise, in der Hoffnung, an einer neuen Heimat anzukommen, die bereit zur Kolonisierung war.

Thema und Setting

SpaceCorp: Centauri ist ein eigenständiges Spiel für 1 bis 4 Spieler und konzentriert sich auf die Erforschung und Besiedlung von Planetensystemen außerhalb unseres Sonnensystems. Im Mittelpunkt stehen dabei Alpha Centauri, Tau Ceti und Epsilon Eridani.

Das Spiel übernimmt die grundlegende Idee des ursprünglichen SpaceCorp: 2025–2300 AD: Jeder Spieler kontrolliert ein erdbasiertes Unternehmen, das die Expansion der Menschheit vorantreibt und dabei möglichst viel Profit erwirtschaftet.

Der große Unterschied:

Diesmal sind wir nicht mehr damit beschäftigt, den Mars oder die äußeren Planeten unseres Sonnensystems zu erschließen.

Wir gehen zu den Sternen.

Dabei verfolgt SpaceCorp: Centauri zwei miteinander verbundene Strategien:

  • kurzfristig schnelle interstellare Erkundungsmissionen mit FTL-Technologie
  • langfristig der Aufbau und Start riesiger Bevölkerungsschiffe

Die kleinen FTL-Teams können schnell zwischen den Sternsystemen springen und neue Welten erkunden. Die gewaltigen Population Ships sind dagegen wesentlich langsamer unterwegs, transportieren dafür aber die Menschen, die später tatsächlich neue Kolonien gründen sollen.

Genau diese Kombination aus schneller Erkundung und langfristiger Kolonisierung bildet das Herzstück des Spiels.

Testspiel-Karte

Übersicht

Thema: In SpaceCorp übernehmen die Spieler die Kontrolle über riesige Unternehmen, die im Wettlauf um die Erforschung des Weltraums stehen.
Spieler: 1 bis 4 Spieler.
Spielzeit: 60 – 90 Minuten

Spielmechaniken

Von SpaceCorp zu Centauri

Wer das ursprüngliche SpaceCorp kennt, dürfte sich schnell heimisch fühlen.

SpaceCorp ließ uns über drei Epochen hinweg die Entwicklung der Menschheit vom Beginn der Raumfahrt bis zur interstellaren Expansion erleben. Die dritte Epoche Starfarers führte bereits zu anderen Sternsystemen.

Centauri setzt genau dort an – geht aber deutlich tiefer.

Interessant ist deshalb auch, dass GMT Games zwei Möglichkeiten vorsieht.

Als eigenständiges Spiel

SpaceCorp: Centauri kann komplett unabhängig vom ursprünglichen SpaceCorp gespielt werden.

Eine Partie soll laut GMT ungefähr 2 bis 3 Stunden dauern.

Als dritte Ära von SpaceCorp

Alternativ kann Centauri auch als dritte Ära des ursprünglichen SpaceCorp eingesetzt werden und dabei die bisherige Starfarers-Epoche ersetzen.

Die Positionen der Spieler aus der vorherigen Planeteers-Epoche werden dabei mit wenigen Schritten in den Aufbau von Centauri übertragen.

Das ist eine spannende Idee, denn damit wird SpaceCorp nicht einfach um ein weiteres Spiel ergänzt. Stattdessen kann die komplette Entwicklung der Menschheit einen neuen Endpunkt bekommen.


Das Szenario

Die Ausgangslage von Centauri ist deutlich dramatischer als im ursprünglichen SpaceCorp.

Die Erde befindet sich im Niedergang. Gegen Ende des 22. Jahrhunderts beginnt die große Migration.

Nationen und Unternehmen suchen nach neuen Welten, die für eine Besiedlung geeignet sind. Gleichzeitig werden Technologien entwickelt, die es kleinen Nutzlasten ermöglichen, sich schneller als das Licht zu bewegen.

Damit entsteht ein interessanter technologischer Unterschied:

Erkundung kann schnell erfolgen – Migration bleibt langsam.

Die Population Ships sind aufgrund ihrer enormen Masse nicht für FTL-Reisen geeignet. Sie bewegen sich deshalb über lange Zeiträume mit Unterlichtgeschwindigkeit durch die interstellaren Verbindungen.

Währenddessen erkunden Teams die Zielsysteme und bereiten mögliche Kolonien vor.

Die eigentliche Herausforderung besteht also darin, beides zeitlich miteinander zu koordinieren.


Der Spielplan

Der aktuelle Entwicklungsstand zeigt einen Spielplan, auf dem Sol und fünf Sternsysteme über interstellare Verbindungen miteinander verbunden sind.

Jedes Sternsystem besitzt zwischen zwei und fünf Planetensysteme beziehungsweise mögliche Standorte.

Diese Standorte bieten Platz für:

  • Discovery Tiles
  • Basen
  • Colony Tiles
  • Population Ships
  • weitere Entwicklungen

Die FTL-Teams können zwischen den Sternsystemen springen, während die Population Ships auf den interstellaren Verbindungen langsam voranschreiten.

Damit entsteht ein interessantes räumliches Spannungsfeld.

Das eigene Team kann schon längst angekommen sein, während das große Bevölkerungsschiff noch irgendwo zwischen den Sternen unterwegs ist.

Man könnte sagen:

Die Scouts buchen schon das Hotel, während der Rest der Menschheit noch im Stau steht.


First Steps – jeder Start ist anders

Eine interessante Neuerung ist das First Steps Prelude.

Zu Beginn wählen die Spieler verschiedene Ausgangsvorteile aus.

Diese können unter anderem Einfluss auf folgende Bereiche haben:

  • Position der Teams
  • bereits gestartete Schiffe
  • Forschung
  • Infrastruktur
  • Genetik
  • Revelations
  • geheime Ziele

Dadurch soll kein Spiel exakt gleich beginnen.

Das ist gerade bei einem Spiel interessant, dessen strategische Möglichkeiten sich über mehrere Systeme erstrecken.

Statt immer mit exakt demselben Ausgangspunkt zu beginnen, muss man seine Strategie an die eigene Ausgangslage anpassen.


Kolonie-Karten (Testgrafik)

Turn Cycles

Der Spielablauf von Centauri basiert auf sogenannten Turn Cycles.

Dabei übernimmt jeweils ein Spieler die Rolle des Prime Player.

Zu Beginn eines Zyklus bewegt der Prime Player alle Population Ships auf den interstellaren Verbindungen um ein Feld weiter.

Anschließend wählt er eines der sechs Sternsysteme als Active System aus.

Nun führt jeder Spieler eine Aktion durch, die entweder mit seinem Team oder Schiff im aktiven System zusammenhängt oder als allgemeine Aktion ausgeführt wird.

Der Prime Player erhält anschließend noch einen zusätzlichen Zug im aktiven System.

Danach wechselt die Rolle des Prime Players zum nächsten Spieler. Dieser wählt wiederum ein anderes aktives Sternsystem.

Das klingt zunächst nach einem kleinen Detail, könnte aber für die Dynamik der Partie ausgesprochen wichtig werden.

Denn die Wahl des aktiven Systems bestimmt, wo in diesem Zyklus besonders viel passiert.


Die Aktionen

Im aktiven Sternsystem stehen verschiedene Aktionen zur Verfügung.

Dazu gehören:

  • Move Team – ein Team bewegt sich in das System, aus dem System heraus oder zwischen verschiedenen Standorten
  • Explore a Site – einen Standort erkunden
  • Build Bases – Basen errichten
  • Found a Colony – eine Kolonie gründen
  • Land Ship – ein Schiff in einer Kolonie landen

Für die Gründung einer Kolonie benötigt man dabei ein Team, eine Basis und ein Population Ship.

Zusätzlich existieren allgemeine Aktionen:

  • Research
  • Infrastructure Upgrade
  • Produce
  • Genetics
  • Revelation

Damit bleibt das Grundprinzip von SpaceCorp erhalten: Expansion, Forschung, Infrastruktur und Produktion greifen ineinander.

Aktionskarten (Testgrafik)

Discovery – erst erkunden, dann kolonisieren

Bevor ein Planet zu einer neuen Heimat werden kann, muss er zunächst untersucht werden.

Die Spieler erkunden die verschiedenen Standorte und sammeln dabei Discovery Tiles.

Diese können später für die Entwicklung einer Kolonie von Bedeutung sein.

Damit entsteht ein schöner thematischer Ablauf:

Erkunden → Infrastruktur aufbauen → Kolonisationsmöglichkeiten vorbereiten → Bevölkerungsschiff ankommen lassen → Kolonie gründen.

Die schnelle FTL-Technologie ermöglicht also die Vorbereitung.

Die langsamen Population Ships bringen schließlich die Menschen.

Und genau zwischen diesen beiden Geschwindigkeiten dürfte ein großer Teil der strategischen Entscheidungen liegen.


Kolonien

Die Kolonien sind das Herzstück von SpaceCorp: Centauri.

Sobald ein Population Ship in einem Sternsystem eintrifft, in dem der Spieler bereits über ein Team und Basen verfügt, kann eine Kolonie gegründet werden.

Dafür müssen zunächst genügend Colony Points gesammelt werden.

Diese stammen unter anderem aus:

  • Discovery Tiles
  • Basen
  • weiteren Quellen

Anschließend wird eine Colony Tile platziert und das eigene Schiff auf einen von drei möglichen Plätzen dieser Kolonie gesetzt. Jeder dieser Plätze bietet eigene Belohnungen und Vorteile.

Die erste Entwicklungsstufe ist die:

Pioneer Colony

Doch damit ist die Entwicklung noch nicht abgeschlossen.

Andere Spieler können später ihre Schiffe auf den verbleibenden Plätzen landen.

Dadurch entwickelt sich die Kolonie weiter:

Pioneer → Working → Sovereign

Mit jeder Entwicklungsstufe steigt auch der mögliche Profit der Kolonie.

Damit entsteht eine interessante Mischung aus Konkurrenz und langfristigem Nutzen.

Man muss nicht zwangsläufig jede Kolonie komplett alleine kontrollieren.

Eine bereits von einem anderen Spieler gegründete Kolonie kann ebenfalls interessant sein, wenn man dort einen eigenen Platz besetzen kann.

Basisplättchen (Testgrafik)

Profit bleibt das Ziel

Wie schon beim ursprünglichen SpaceCorp geht es am Ende nicht darum, wer die meisten Planeten entdeckt oder die meisten Raumschiffe besitzt.

Profit entscheidet.

Profit kann unter anderem durch folgende Dinge erzielt werden:

  • Discovery Tiles
  • Production Actions
  • öffentliche Verträge
  • geheime Verträge
  • Schiffe in Kolonien
  • Monumente in den eigenen Kolonien

erzielt werden.

Das Wirtschaftsthema bleibt damit ein zentraler Bestandteil der SpaceCorp-Reihe.

Die Menschheit sucht zwar verzweifelt nach einer neuen Heimat – aber irgendwo sitzt offenbar noch ein Vorstand und fragt nach der Rendite.


Solo-Modus

Auch Solospieler müssen bei Centauri nicht auf die Reise zu den Sternen verzichten.

GMT Games kündigt einen vollständigen Solo-Modus mit eigenem Regelbuch an.

Dabei tritt der Spieler gegen die kombinierten Strategien der Konkurrenz an und versucht, möglichst viele und möglichst wertvolle Kolonien zu besetzen.

Damit folgt Centauri dem Ansatz des ursprünglichen SpaceCorp, das ebenfalls einen vollständigen Solomodus besitzt.

Für Fans von John Butterfields Solo-Designs dürfte das besonders interessant sein


Inhalt

Nach dem aktuellen Entwicklungsstand soll SpaceCorp: Centauri unter anderem enthalten:

  • 1 aufgezogenen Spielplan im Format 22 × 34 Zoll
  • 4 Stanzbögen
  • 110 Karten im Standardformat
  • 20 kleine Karten
  • 4 HQ-Spielertableaus
  • 1 First-Steps-Display
  • 11 Holzscheiben in verschiedenen Farben
  • 36 Holzschiffe
  • 36 Holzwürfel
  • Prime-Player-Marker
  • Active-System-Marker
  • Mehrspieler-Regelbuch
  • Solo-Regelbuch
  • 4 identische Spielerhilfen
  • 1 Solo-Spielhilfe

Entwicklungsstand und P500

Hier ist ein wichtiger Punkt für alle Interessierten:

SpaceCorp: Centauri ist noch kein fertiges Spiel.

GMT Games führt den Titel aktuell im eigenen P500-Vorbestellprogramm mit dem Status „Not there yet“. Auf der Produktseite werden derzeit 123 Bestellungen angezeigt. Der P500-Preis beträgt aktuell 68 US-Dollar, während der reguläre Preis mit 99 US-Dollar angegeben wird.

Das P500-System von GMT dient dazu, anhand der Vorbestellungen zu ermitteln, welche Spiele produziert werden sollen und wann. Spiele mit P500-Status sind noch nicht veröffentlicht; die Belastung der Kreditkarte erfolgt laut GMT erst, wenn ein Spiel den Status „Charging“ erreicht.

Für Centauri bedeutet das momentan vor allem:

Das Spiel befindet sich weiterhin auf dem Weg zur Veröffentlichung.

Auch die auf der GMT-Seite gezeigten Abbildungen sind teilweise ausdrücklich als Playtest-Material gekennzeichnet. Das betrifft beispielsweise Karten-, Basis- und Kolonie-Grafiken.

Wer sich also bereits jetzt mit dem Spiel beschäftigt, sollte im Hinterkopf behalten, dass sich Regeln, Gestaltung und Komponenten im Verlauf der Entwicklung noch verändern können.

SpaceCorp Universum

Als dritte Ära von SpaceCorp

Alternativ kann Centauri auch als dritte Ära des ursprünglichen SpaceCorp eingesetzt werden und dabei die bisherige Starfarers-Epoche ersetzen.

SCORE OUT OF 10

VERDICT & FINAL NOTE


Fazit
SpaceCorp: Centauri ist derzeit noch ein Spiel für die Zukunft – und das passt irgendwie perfekt zum Thema.
GMT Games baut das bewährte SpaceCorp-System weiter aus und verschiebt den Schwerpunkt endgültig von der Erschließung des Sonnensystems hin zur Besiedlung fremder Sternsysteme.
Besonders spannend wirken dabei:
– die Kombination aus FTL-Erkundung und langsamen Population
Ships
– die unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Kolonien
– das First-Steps-System
– die Auswahl eines aktiven Sternsystems pro Turn Cycle
– die Möglichkeit, fremde Kolonien weiterzuentwickeln
– die Kombination aus öffentlichen und geheimen Verträgen
– der vollständige Solo-Modus
– die Möglichkeit, Centauri eigenständig oder als dritte SpaceCorp-Ära
zu spielen

Noch ist allerdings einiges im Fluss. Die aktuellen Bilder stammen teilweise aus dem Playtest, und auch die Regeln befinden sich weiterhin in Entwicklung.

Für Fans des ursprünglichen SpaceCorp dürfte Centauri deshalb ein Titel sein, den man definitiv im Auge behalten sollte.
Denn während SpaceCorp bereits gezeigt hat, wie die Menschheit das Sonnensystem erobern könnte, stellt SpaceCorp: Centauri die nächste große Frage:

Was passiert, wenn die Erde nicht mehr unsere Zukunft sein kann und wir tatsächlich eine neue Heimat bei den Sternen suchen müssen?

GMT Games hat darauf bislang zumindest eine spielerische Antwort:

Erst erkunden. Dann kolonisieren. Und natürlich dabei möglichst viel Profit machen.

Abschließende Bemerkung
Eine endgültige Bewertung wäre zum jetzigen Zeitpunkt natürlich verfrüht.

Dafür ist Centauri schlicht noch nicht fertig.
Was GMT Games momentan zeigt, macht aber deutlich, wohin die Reise geht.

Das Spiel erweitert die SpaceCorp-Idee nicht einfach um ein paar neue Planeten. Vielmehr wird der zentrale Konflikt zwischen schneller interstellarer Erkundung und langsamer Migration zum Kernmechanismus.

Die FTL-Teams können schnell neue Systeme erreichen.
Die Population Ships brauchen dagegen lange.

Wer früh mit der Erkundung beginnt, kann wichtige Standorte vorbereiten. Wer zu spät seine großen Schiffe losschickt, könnte zwar noch interessante Welten vorfinden – aber vielleicht keine besonders lukrativen Kolonieplätze mehr.

Gleichzeitig können andere Spieler in bereits gegründete Kolonien einsteigen und diese dadurch weiterentwickeln.

Das verspricht eine interessante Mischung aus Wettlauf, Planung, Expansion und wirtschaftlicher Optimierung.

PROS


  • Thema: Sehr gut umgesetztes Weltraum-Erkundungs- und Kolonisierungsthema.
  • Dritte Epochen: ist Kombinierbar mit SpaceCorp
  • Vielseitiges Gameplay: Kartenbasierte Aktionen, Ressourcenmanagement und Erkundung sorgen für abwechslungsreiche Züge.
  • Solo-Modus: Einer der besten Solo-Modi für Strategiespiele, mit KI-gesteuerten Gegnern und hohem Wiederspielwert.

CONS


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